wer sind wir, was wollen wir?

Anlass und Einleitung

Der Impuls für den Runden Tisch ergab sich leider nicht aus vorausschauender Einsicht sondern durch einen skandalösen Diskriminierungsfall in Reutlingen im November 2010.

Einem schwarzen jungen Mann wurde zum wiederholten Mal wegen seiner Hautfarbe der Eintritt zu einer Disco (M-park) verwehrt. Nur durch die Unterstützung des „Büros zur Umsetzung von Gleichbehandlung (BUG) e.V.“ aus Berlin konnte er sich gegen das erlittene Unrecht zur Wehr setzen und nach dem seit 2006 gültigen Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gegen die Diskothek eine Klage einreichen. Das Landgericht Tübingen und in zweiter Instanz das OLG Stuttgart gaben dem Jugendlichen Recht.

Der Fall war somit juristisch abgeschlossen nicht aber das bundesweite und regionale Entsetzen über die Diskriminierungen, welche auch nach dem Erscheinen des AGG möglich sind.(1)

In Folge einer Veranstaltung des BUG e.V. mit dem soziokulturellen Zentrum franzK zu diesem Fall begann im Kontext des Netzwerk Migration/Integration der Stadt Reutlingen eine Diskussion darüber, dass es nicht sein kann, dass eine solche Klage nur mit Unterstützung aus Berlin möglich ist.

Nach verschiedenen internen Workshops mit wissenschaftlichen Expert_innen der Hochschule Esslingen haben wir Einrichtungen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, Vertreter_innen aus dem Bereich Selbsthilfe, sozial-kulturpolitische Initiativen, die Polizei und kommunalen Verwaltung eingeladen, gemeinsam an der Vision eines Antidiskriminierungsbüros zu arbeiten.

Von Beginn an war unser Anliegen, das Thema Antidiskriminierung nicht auf den Bereich Migration/Rassismus zu beschränken, sondern alle im AGG erfassten Diskriminierungsbereiche (Behinderung, sexuelle Orientierung, Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft, Religion) und darüber hinaus auch das Thema Diskriminierung durch Armut aufzugreifen.

Dies erforderte völlig neue Bündnisse und Netzwerke. Wir wählten daher die offene Plattform eines „Runden Tisches“.

Von Beginn war ein großes Interesse von sehr vielfältigen Einrichtungen, Gruppen und Einzelpersonen da. Dass diese eher von unten kommende Initiative nicht von Beginn an „flächendeckend“ die Landschaft abbildet, ist naheliegend. Der Kreis der Beteiligten erweitert sich aber ständig und wir repräsentieren ein breites Feld der sozialen Arbeit wie der Selbsthilfegruppen.

Aus dem ersten Runden Tisch im Februar 2012 ist eine offene Koordinationsgruppe hervorgegangen, die das Anliegen vorantrieb, Anregungen aufgriff, Impulse bündelte, Ideen weiter verfolgte und nicht zuletzt nach finanziellen, logistischen, organisatorischen und ideellen Ressourcen recherchierte. In Kommunikation mit dem Runden Tisch hatte sie diese Aktivitäten entwickelt.

Neben der Arbeit in Reutlingen entstand in Tübingen ein Runder Tisch und es gibt die Metzinger Friedenswoche, die Diskriminierungsthemen aufgreift.

Mit der Gründung des Vereins hat sich bisherige Initative eine neue Rechtsform und Arbeitsstruktur gegeben.

Unsere Ziele

Zentrales Ziel unserer Arbeit ist die Einrichtung einer Beratungsstelle, die Menschen mit Diskriminierungserfahrungen unterstützen kann.

Das zweite Ziel ist, Menschen mit Diskriminierungserfahrungen Räume zu geben, in denen sie sich selbst stärken können (Empowerment) und die vorhandenen Empowermentansätze zu koordinieren.

Zuletzt wollen wir durch Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerkarbeit, durch Veranstaltungen, Gespräche und hilfreiche Strukturen in Politik, Bildung und Öffentlichkeit Antidiskriminierung stärken und für Respekt, Vielfalt  und Anerkennung werben.