Geschichte

Im Jahr 2010 reichte ein junger Schwarzer Mann aus Reutlingen Klage ein, weil ihm wiederholt der Eintritt in eine Reutlinger Diskothek verwehrt wurde. In zweiter Instanz wurde ihm vom Oberlandesgericht Stuttgart auf der Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Recht gegeben und Schadensersatz zugesprochen. Der Fall erfuhr lokal und bundesweit eine breite Öffentlichkeit. In den Diskussionen, die es im Kontext des sogenannten „Diskofall“ gab, wurde deutlich, dass es sich um keinen Einzelfall handelt. Diskriminierung ist eine alltägliche Erfahrung für sehr viele Menschen, nicht nur in Reutlingen.

In Fachkreisen setzte sich rasch die Einsicht durch, dass der junge Mann nur deshalb Recht bekam, weil er Beratung und Unterstützung durch das Berliner „Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung“ bekam. In Reutlingen und Umgebung fehlte hingegen eine solche Unterstützungsstruktur, die Menschen in Diskriminierungsfällen berät und vertritt und damit dem 2006 in Kraft getretenen AGG überhaupt erst zur Wirkung verhilft. (Infos zum AGG gibt es hier.)

Angesichts dieser mangelnden Antidiskriminierungsstrukturen gründete sich auf Initiative des soziokulturellen Zentrums franz.K und dem Netzwerk Migration/Integration der Stadt Reutlingen im Frühjahr 2012 eine offene Plattform – der sogenannte „Runde Tisch Antidiskriminierung“. Dieser setzte sich aus einem breiten Spektrum an Einrichtungen, Institutionen, Initiativen und der kommunalen Verwaltung zusammen.

Gründungsziel des Runden Tisches war es, in Reutlingen ein Antidiskriminierungsbüro aufzubauen. Dort können Menschen mit Diskriminierungserfahrungen professionelle Beratung und Unterstützung erhalten. Außerdem wollte der Runde Tisch daran mitwirken, die Alltäglichkeit von Diskriminierung in der Reutlinger Öffentlichkeit zu thematisieren und einen gemeinsamen Prozess der Wachsamkeit gegenüber Diskriminierung in Gang zu setzen.

In Kooperation mit dem Fachdienst Jugend Bildung Migration (FJBM) der BruderhausDiakonie wurden mehrere Projekte beantragt und bewilligt. Mit den Fördergeldern wurde der Aufbau eines Antidiskriminierungsbüros finanziert.

Im Jahr 2014 gründete sich in Tübingen ein Runder Tisch Antidiskriminierung, der ebenfalls aus einem  breiten Netzwerk von Akteuren besteht.

Ende 2014 schlossen sich der Runde Tisch Tübingen und der Runde Tisch Reutlingen zum Verein „Netzwerk Antidiskriminierung e.V.“ – Region Reutlingen/Tübingen zusammen. Über neue Projektgelder konnte der Aufbau der Beratungsstelle, ein Jugendantidiskriminierungsprojekt und Empowermentgruppen in Kooperation mit dem FJBM finanziert werden.

Seit Mitte 2015 bieten wir eine Einzelfallberatung für Menschen mit Diskriminierungsberatung an.